April 2012, Beginn der Saison. Wie immer dient Facebook uns Autoverseuchten zu dieser Zeit als Newsticker der Szeneneuheiten. Natürlich ließ der „Brake“ beim Scrollvorgang nicht lange auf sich warten: Türkis, slant Lorinser, orange Blinker, rote Rückleuchten – Bilder eines A4 B5 von einem Treffen in Rothenburg, bei Görlitz. Ich war endlos geflasht. Mich traf es wie den kleinen Zeh, der an der Möbel hängenbleibt während man durchs Haus rennt. Immer noch von Miguels „MintyZ“ aus dem Vorjahr gebrandmarkt, kam mir dieser A4 nur recht. Ganz nach meinem Geschmack, anders als die Anderen. Einlassgitter fehlten, man konnte einen Käfig erkennen – fuck ich wollte den A4 live sehen.

Nachdem ein Erstkontakt am Wörthersee misslungen war, sollte es einen knappen Monat drauf klappen. XS in Dresden, stundenlang umhergeirrt konnte ich keinen türkisen B5 finden. Beim Verlassen des Geländes war es dann soweit, ich war an der Eingangshalle scheinbar vorbei gelaufen. Doch dann der Schock, die Lorinser waren weg, er hatte Bentleys drauf. Stern schwarz, Bett in Wagenfarbe – alles Ton in Ton. Doch wie alle Anderen? Noch mit bunten Felgen aus dem grausamen Trend von 2010/11? Ok, komplett braun gelederter Innenraum und Bentleys, zeugt eigentlich von Luxus, doch die knalligen Farben, Überrollbügel und dann noch ein Roofrack? Mir schien es, als wollte er alle gängigen Styles zu einem vereinen, ich war enttäuscht.

Gegen Ende der Saison, sah ich einen Beitrag eines „Performance“ Onlinemagazins über den mintfarbenen A4. BBS RT vom Bugatti EB110, die ich am See auf einem polnischen Audi gesehen hatte. „Oh mein Gott, wie kann er so mit meinen Gefühlen spielen“, dachte ich. Mein A6 hatte gerade den dritten Dreiteiler Satz der Saison drauf, da schaute ich wie üblich bereits nach dem Nächsten. Ich schrieb den Besitzer auf die Bugattis an. Facebook sei Dank war er schnell gefunden, Christian Adermann.

Wenige Sätze hin und her, wusste ich, dass es für mich nix wird, sehr schwer mit diesem Mann zu kommunizieren. Schon mal auf seinem Profil gewesen, schaute ich mal weiter zurück, eventuell auf den Anfang der Geschichte des Wagens. Meine Kinnlade hielt sich nicht lange oben – WTF? Weiter zurück als 2010 konnte ich zwar nicht, aber verdammt wie viel sich getan hatte. Weiß, dezente custom Optik und damals schon die RSK2. Ein Auto mit Seele, welches über Trends bestehen blieb. Es sollte sich rausstellen, dass das Auto schon seit einem Jahrzehnt in Christians Besitz ist.

Nach regem Nachrichtenverkehr auf FB, kam der persönliche Erstkontakt 2013 auf der Tageslichtausführung der XS – er ist ja endlos cool drauf! Man hat sich über die Liebe zur RSK2 Felge verstanden glaube ich, da ich jetzt endlich auch einen Satz für den Winter ergattert hatte.

„Bei mir hat sich mal ein Emblem unter der Fahrt gelöst, darauf schickte Christian einen Ersatzdeckel und wollte nichts dafür“

Die Geschichte des Wagens begann 2004, als dieser den Alltagswagen, einen Nissan Micra ersetzen sollte. Baujahr 1995, 1,6 Liter in weiß. Die ersten Modifikationen ließen nicht lange auf sich warten. Ein FK Gewinde und selbstpolierte 17er von der Mercedes E-Klasse. Aufgrund mangelnden Kapitals entschied sich Christian kleine Brötchen zu backen, schwarzweiße Karos und Dachträger mit Koffer – der Retrolook. Nachdem die Ansprüche wuchsen, entschied er sich das Auto nur noch saisonal zu bewegen – der Startschuss zum Komplettumbau.

Die Stoßstangen wurden gecleant, die Innenausstattung mit braunem Leder bezogen. Die Radhausschalen? – Ja, die auch! Kontrast zum Luxus brachte ein polierter Überrollbügel. Multimedia mäßig wurde damals nicht gespart, acht TFT Monitore, vier Verstärker und 10 Lautsprecher! „Jaja, so war die Zeit damals“, schmunzelt Christian. Felgentechnisch durfte es damals schon keinen Stillstand geben, 18 Zoll SL Räder, Lorinser RSK2 in 19 Zoll, Bentley 19 Zöller und für zwischendurch 19er Detroits. Beeinflusst von seiner ersten Wörtherseetour stand fest, dass der 1,6er keine Zukunft haben sollte. Natürlich nichts von der Stange, 1,8er aufgebohrt auf 1,9L mit Schmiedekolben, Stahlpleul, Garrett GT2876 Lader und einer neuen Auspuffanlage.

2011 kam es zum nächsten Wechsel. Weg vom „Customstyle“ ging es nun wieder mehr in Richtung Serienoptik, jedoch mit dem gewissen Plus an Extravaganz. Der sportliche Ableger des „Ahviers“ spendete Stoßstangen, Schweller und die Türen. Bereits an der Karosse zugange, wurden gleichmal die Radkästen verbreitert und der Serientankdeckel durch den so beliebten TT Deckel ersetzt. Als kleines Sahnehäubchen wurde der Wagen anschließend in türkis lackiert. Zur Neuorientierung wurden OZ Futura in 10×18 ET9 probemontiert, die sein Kumpel von mir gekauft hatte. Klein ist die Welt. Wie der Adermann so ist, erweiterte er seine Felgensammlung um 19er CLS Felgen, die legendären 18 Zoll BBS RT vom Bugatti EB110 und 18er Mille Miglia.

Im Winter 13/14 kam die von mir so heiß ersehnte Entscheidung, Stilbruch adé! Nach der Montage der Bugattis war Christian klar, dass es komplett in Richtung Motorsportoptik gehen sollte. Weg vom Show ’n‘ Shine. Die luxuriöse Innenausstattung dankte ab, so ziemlich alles was dem Fahrkomfort zugute kam, flog im hohen Bogen raus. Der nackte Innenraum wurde weiß auslackiert und mit Recaro Schalen, Überrollbügel und weißen Türpappen bestückt. Außen addierte Christian eine Cupralippe und eine Abrisskante für die Heckklappe.

Für das Début 2014 wurden ACT SX auf 19 Zoll umgebaut, die jedoch für meinen Geschmack viel zu schmal ausfielen und vermutlich deshalb nicht all zu lang am Auto verblieben sind – haha. Außerdem stand bereits der nächste Satz in den Startlöchern: weiße OZ Motorsportfelgen aus Magnesium, mit Zentralverschluss und weißer Reifenschrift. Entgültig ein Tourenwagen.

Gegen Ende der Saison postete „Gekrenzert“ Bilder von BBS Design 5000 „Teilen“ mit Christians Markierung. Da steppte der Bär, genauer gesagt wurde mit „Slantlips“ eines amerikanischen Felgenherstellers von 17 auf 18 Zoll aufgesteppt. Die finalen Maße waren Dank dem Eingriff von Matthias Krenzer auf 9,5J gewachsen. Hier wurden Christians einteilige BBS Design 5000 aka RF zu Distanzringen gemacht, indem Matthias hier die Felgensterne herausgetrennt hatte. An dieser Stelle war mir klar, dass ich dies visuell festhalten muss, bevor die Dinger wieder in die Arme Anderer verschwinden.

 

 

Motor:

1.6 Umbau auf 1.8T MKB AEB aufgebohrt auf 1,9 Liter, verstärkte Pleuel, Wössner Schmiedekolben, Garrett 2876 Lader, 76mm Auspuffanlage Marke Eigenbau, verstärkte Kupplung, Umbau auf Einmassenschwungrad, Bosch 044 Motorsport Benzinpumpe, 1.6 bar Ladedruck

 


Innenraum:

Komplett leer geräumt, weiß auslackiert, diverse Halter gecleant, Eigenbau Türverkleidungen in weiß, Mittelkonsole aufs Minimum reduziert, kein Radio oder Lautsprecher, Pleie Überrollbügel, Alcantara Lenkrad und Schaltknauf, Schaltweg verkürzt, Rennsport Handbremshebel, Recaro Pole Position Sitze, Rennsport Fußabstützung für Fahrer und Beifahrer, Feuerlöscher 



Karosserie:

Kompletter Umbau auf S4 Facelift (Türen, Stoßstangen, Kotflügel), Radläufe vorn und hinten in Originaloptik verbreitert, TT Tankdeckel, Heckspoiler, Cupra Lippe, Eigenbau US Heckklappe

 

Fahrwerk:

H&R Luftfahrwerk, bearbeitete Hinterachse und Querlenker vorn, 312mm Bremse vorn 

 


Felgen:

ZUR ZEIT BBS RF, umgebaut auf 9,5×18 ringsum, 215/35 R18 Falken Reifen